Psychische Gesundheit und Arbeitswelt

Psychische und psychosomatische Erkrankungen haben in den vergangenen Jahren in Deutschland stetig zugenommen, was diese Krankheitsbilder auch bedeutsam im Rahmen einer beruflichen Rehabilitation macht.

An dieser Stelle finden sich Gespräche mit Forschenden, die sich innerhalb ihrer Projekte mit dem Themenfeld Psychische Gesundheit und Arbeitswelt beschäftigt haben.

Psychische und psychosomatische Erkrankungen gewinnen in Deutschland zunehmend an Bedeutung (vgl. DRV o.J.; Radke 28.08.2024). So wächst die Zahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Arbeitsunfähigkeiten bei den gesetzlichen Krankenkassen seit mehreren Jahren (vgl. TK 2024, 5; BARMER 03.08.2023; AOK 18.10.2023). Laut Statistiken der AOK stieg der Anteil an psychischen Erkrankungen als Ursache für Krankschreibungen im Zeitraum von 2012 bis 2022 um fast 50 Prozent (vgl. AOK 18.10.2023).3   

Auch mit Blick auf Menschen mit Behinderungen zeichnet sich die zunehmende Relevanz von psychischen Erkrankungen bzw. Behinderungen in den Statistiken ab. 2023 war bei 506.535 (6,4%) der schwerbehinderten Menschen in Deutschland eine solche Erkrankung Hauptgrund für eine anerkannte Schwerbehinderung (Statistisches Bundesamt 2025). Damit wuchs die Zahl der wegen einer psychischen Erkrankung schwerbehinderten Menschen im Zeitraum von 2021 bis 2023 um 10,8 Prozent; von 2001 bis 2023 hat sie sich knapp versechsfacht (Statistisches Bundesamt 2003; 2022). 

Diese Entwicklung stellt nicht nur das Gesundheitssystem vor Herausforderungen, sondern auch die Akteure innerhalb der Berufs- und Arbeitswelt. Während psychische Erkrankungen die Produktivität bei der Arbeit mindern und ein Arbeitsverhältnis beeinträchtigen oder gar bedrohen können (vgl. BMG 27.09.2023; LWL 2021, 6), sind psychisch gesunde Mitarbeitende tendenziell motivierter und leistungsfähiger (BMG: INQUA o.D.). Damit hat die psychische Gesundheit einen erheblichen Einfluss auf die Teilhabe am Arbeitsleben.4 

Daher sind auch die Herausforderungen, die die steigende Anzahl psychisch kranker Menschen innerhalb der Bevölkerung mit sich bringt, Gegenstand der Forschung zur beruflichen Teilhabe. In diversen Projekten setzen sich Forschende mit Fragestellungen im Rahmen einer beruflichen Teilhabe bei psychischen Erkrankungen und/oder Behinderungen auseinander.

 

Im Rahmen der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) hat die Zahl der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen (AU-Fälle) bis 2021 im Vergleich zum Jahr 2011 um mehr als 18 Prozent und die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) um über 53 Prozent zugenommen. Der Einbruch bei der Fallzahl nach dem Höchstwert von 2019 lässt sich vermutlich mit dem Verhalten während der Corona-Pandemie erklären. Da weniger Menschen zum Arzt gingen, wurden folglich auch weniger Diagnosen gestellt. Bei den AU-Tagen hingegen war im genannten Zeitraum kein Einbruch zu beobachten.

 

AOK-Bundesverband (2023, 18. Oktober). Fehlzeiten-Report: Anhaltend hohe arbeitsbezogene Beschwerden und stetig steigende Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. https://www.aok.de/pp/bv/pm/fehlzeiten-report-2023/#c26353

Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) (o.D.): Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Das INQA-Themenfeld Gesundheit. Abgerufen am 5. Juni 2025 von  https://www.inqa.de/DE/themen/gesundheit/uebersicht.html.

Bundeministerium für Gesundheit (BMG) (27.09.2023). Förderung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens am Arbeitsplatz [23.10.2024].

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) (o.D.). Psychische und Psychosomatische Krankheiten. https://www.klinikgruppe-drv-bund.de/DE/unsere_kliniken/diagnosen/psychosomatische_Krankheiten/psychosomatische_krankheiten_node.html

Grobe, T. G., Braun, A. & Starke, P. (2022). Barmer Gesundheitsreport 2023: Risikofaktoren für psychische Erkrankungen. Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse - Band 41. BARMER. https://www.bifg.de/media/dl/Reporte/Gesundheitsreporte/2023/barmer-gesundheitsreport-2023-bf.pdf.

Grobe, T. & Bessel, S. & aQua – Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH (2024). Gesundheitsreport 2024 - Arbeitsunfähigkeiten. Techniker Krankenkasse (TK). https://www.tk.de/resource/blob/2168508/ee48ec9ef5943d2d40dc10a76bedf290/gesundheitsreport-au-2024-data.pdf.  

Landesverband Westfalen Lippe (LWL) (2021). Psychische Gesundheit im Arbeitsleben.Tipps und Informationen für Betroffene und Arbeitgeber, Interessenvertretungen und Führungskräfte (3. Aufl.). https://www.lwl-inklusionsamt-arbeit.de/media/filer_public/95/ab/95aba308-b3c7-4bf4-bc6e-dc1038dcdbfc/lwl-psychgesundheit2021_pdf-ua.pdf

Radke, Rainer (2024, 28. August). Statistiken zu psychischen Erkrankungen. Statista. Abgerufen am 5. Juni 2025 von https://de.statista.com/themen/1318/psychische-erkrankungen/#topicOverview.

Statistisches Bundesamt (2003). Sozialleistungen Schwerbehinderte Menschen. Fachserie 13 / Reihe 5.1. Abgerufen am 16. Juli 2025 von https://www.statistischebibliothek.de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/DEHeft_derivate_00007018/2130510019004.pdf.

Statistisches Bundesamt (2022, 6. Dezember). Sozialleistungen Schwerbehinderte Menschen. Fachserie 13 / Reihe 5.1. Abgerufen am 16. Juli 2025 von https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Behinderte-Menschen/Publikationen/Downloads-Behinderte-Menschen/schwerbehinderte-2130510219004.pdf?__blob=publicationFile&v=3.

Statistisches Bundesamt (2025, 14. März). Stastistischer Bericht Schwerbehinderte Menschen. Ergebnisse 2023. EVAS-Nummer 22711. Abgerufen am 16. Juli 2025 von https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Behinderte-Menschen/Publikationen/Downloads-Behinderte-Menschen/statistischer-bericht-schwerbehinderte-2130510239005.xlsx?__blob=publicationFile&v=3

 

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