Projektart: Gefördertes Projekt
Beschreibung / Inhalte
Es ist längst bekannt, wie sich der demografische Wandel in Deutschland auswirkt und auch zukünftig auswirken wird: der Altersdurchschnitt der deutschen Erwerbstätigen steigt, während ihre Gesamtzahl abnimmt. Dazu kommt ein Wandel der Arbeitsbedingungen, die stärker als zuvor Flexibilität, Unsicherheitstoleranz und Leistungsvermögen von Beschäftigten verlangen und teilweise zu neuartigen Belastungen führen. Angesichts dieser Situation wird es zunehmend wichtiger, die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten (und damit die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen) gezielt und systematisch zu erfassen und zu fördern.
Projektdarstellung:
Die Arbeitsfähigkeit von Beschäftigten mit Hilfe des Work Ability-Konzepts (WA-Konzept) zu erhalten, zu fördern und gegebenenfalls wiederherzustellen hat sich das WAI-Netzwerk seit 2003 im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zur Aufgabe gemacht. Arbeitsfähigkeit ist eine wesentliche Grundlage für das Wohlbefinden des Einzelnen und die Produktivität eines Unternehmens. Als Ergebnis der Interaktion von Arbeit und Individuum kann sie durch arbeitsbezogene und individuelle Maßnahmen gefördert und nachhaltig verbessert werden. Der Work Ability Index (WAI) hat sich als geeignetes Instrument erwiesen, um Arbeitsfähigkeit auf subjektive Weise zu erheben. Im Rahmen eines finnischen Forschungsprojektes entwickelt, wird der WAI heute in zahlreichen Ländern im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz eingesetzt, da er als Frühindikator z. B. für längere Arbeitsunfähigkeit (Kujala et al. 2005) und Erwerbsunfähigkeit (Tuomi et al. 1991) präventive Maßnahmen ermöglicht. Auch durch die enge Verknüpfung mit psychologischen Variablen, die heute zu den wichtigsten gesundheitlichen Risikofaktoren der modernen Gesellschaft zählen, ist der WAI für seinen Einsatz im Unternehmen prädestiniert. Der aktuelle Bericht der Bundesregierung „Aufbruch in die altersgerechte Arbeitswelt“ weist auf die Bedeutung systematischer Erfassung der Arbeitsfähigkeit z. B. mit dem WAI hin (BMAS, 2010). Aus dem im Rahmen der Projektarbeit entwickelten WA-Konzept lassen sich auf Mitarbeiter- und Unternehmensebene Handlungsfelder ableiten, die sowohl verhaltens- als auch verhältnisbezogene Maßnahmen umfassen und nachhaltig zu einer Verbesserung der Arbeitssituation beitragen können.
Zentrale Ergebnisse:
Das deutsche WAI-Netzwerk hat sich zu einem der weltweit führenden Netzwerke, die sich aktiv für die Förderung der Arbeitsfähigkeit einsetzen, entwickelt. Zentrale Bestandteile sind die Unterstützung von Unternehmen in der praktischen Anwendung des WAI, das Verdichten von Informationen aus Forschung und Praxis und die Aufbereitung derselben für interessierte Akteure, wie Betriebsärzte, Gesundheitsmanager, Beschäftigte, Arbeitnehmervertretungen, Berater oder Personalreferenten. Außerdem bietet das WAI-Netzwerk Strukturen, die einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch der Anwender und so ein selbstgesteuertes und partizipatives Lernen ermöglichen. Die Netzwerkarbeit gilt im internationalen Vergleich als vorbildlich (baua aktuell 3-10, 2010). Als zentrale Produkte des Projektes sind zum Einen die in Deutsch und Englisch erhältliche WAI-Software, die mit entsprechendem Handbuch Mitgliedern des Netzwerks kostenlos zur Verfügung steht und zum Anderen die WAI-Konferenzen/-Symposien (WAI-Konferenzen 2007, 2008 und 2010) und vielfältigen sowohl nationalen als auch internationalen Kontakte und Kooperationspartner, zu nennen.
Das WAI-Netzwerk leistete im Rahmen der Projektlaufzeit in vielen Unternehmen einen Beitrag zur Entwicklung der organisationalen Gesundheitskompetenz und unterstützte aktiv bei der Etablierung einer „Arbeitsfähigkeitskultur“. Von ebenso großer Bedeutung ist für das Team des WAI-Netzwerks jedoch die Sensibilisierung unterschiedlicher Beschäftigter darin, Verantwortung für ihre eigene Arbeitsfähigkeit zu übernehmen und den Bewusstseinswandel in Unternehmen hin zur höheren Wertschätzung älterer Beschäftigter zu begleiten.
Projektbeschreibung von Projektverantwortlichen übernommen.
Beginn:
01.11.2003
Abschluss:
laufend
Kostenträger:
- Projektförderung 2007 bis 2009: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
Projektleitung:
- Müller, Bernd Hans, Univ. Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch. Ing.
Mitarbeitende:
- Freude, Gabriele, Dr. |
- Ilmarinen, Juhani, Prof. Dr. em. |
- Ebener, Melanie, Dipl.-Psych. |
- Mathiaszyk, Laura, Dipl.-Ök. |
- Langhoff, Sven, Dipl.-Ök. |
- Wunenburger, Heidi, Dr. rer. sec., Dipl.-Ing. |
- Matusiak, Bianka |
- Tielsch, Rainer, Prof. Dr. rer. sec. Dipl.-Psych.
Institutionen:
Bergische Universität Wuppertal
Fachbereich D - Abteilung Sicherheitstechnik, WAI-Netzwerk
Gaußstraße 20
42097 Wuppertal
E-Mail:
wai@uni-wuppertal.de
Homepage:
https://www.site.uni-wuppertal.de/
Univ. Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch. Ing. Bernd-Hans Müller
German Work Ability Index Network
Schlagworte:
Referenznummer:
R/FO3115
Informationsstand: 13.06.2018