Inhalt

Forschungsprojekt
Projektart: Gefördertes Projekt Wissenschaftliche Arbeit
Kompetent mobil

Beschreibung / Inhalte

„Kompetent mobil“: Bessere Berufschancen und mehr Teilhabe durch Mobilitätsförderung

Um gleichberechtigt am beruflichen und gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können, sind viele Menschen mit Behinderungen auf die Förderung ihrer Mobilitätskompetenz angewiesen. Das Berufsförderungswerk Bad Wildbad (BFW), das Josefsheim Bigge, die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) und der Deutsche Rollstuhl-Sportverband (DRS) haben dazu in ihrem Kooperationsprojekt „Kompetent mobil“ ein umfassendes Trainingskonzept entwickelt.

Jede und jeder hat hierzulande ein Recht auf gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsleben und in der Gesellschaft. Das stellt die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ausdrücklich klar. Eine Grundvoraussetzung dafür ist Mobilität. Deshalb fordert die UN-BRK unter anderem die Barrierefreiheit von Gebäuden und Transportmitteln. Damit allein lässt sich die angestrebte Teilhabe allerdings oft nicht erreichen. Eine wichtige Rolle spielt auch die ebenso in der UN-BRK thematisierte persönliche Mobilität jeder und jedes Einzelnen. Für viele Menschen mit körperlichen, sensorischen, kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen ist es nicht selbstverständlich, sich im Alltag selbstbestimmt und selbstsicher (fort)bewegen zu können. Sie benötigen neben der Barrierefreiheit eine individuelle Einzelförderung ihrer Mobilitätskompetenz, damit sich ihre Teilhabebedingungen und Berufschancen verbessern.

Hier setzt das vom BFW Bad Wildbad, vom Josefsheim Bigge, von der BGW und vom DRS gemeinsam entwickelte Mobilitäts-Coaching an. Es ermöglicht Menschen mit Behinderungen, individuell und bedarfsgerecht zu trainieren, wie sie sich auf dem Weg zum Arbeitsplatz und dort vor Ort sicher bewegen. Gefördert werden durch das Training die individuellen Fähigkeiten und die Selbstsicherheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Kooperationsprojekt „Kompetent mobil“, in dem das Konzept entstand, wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) unterstützt und vom Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS) wissenschaftlich begleitet.

Konzeption und Zielgruppen
Die Förderung der Mobilitätskompetenz nach dem „Kompetent mobil“-Konzept umfasst ein mobilitätsbezogenes Assessment sowie Lerneinheiten zu verschiedenen Aspekten der sicheren Mobilität zu Fuß – mit oder ohne Hilfsmittel, mit dem Rollstuhl, dem Fahrrad, dem Handbike, dem Auto oder mit Bus und Bahn. Das Assessment beispielsweise gliedert sich in
  • eine Selbsteinschätzung der Teilnehmerin beziehungsweise des Teilnehmers,
  • ein Interview mit der Teilnehmerin oder dem Teilnehmer sowie
  • einen Online-Fragebogen, mit dem die Trainerin oder der Trainer anschließend für jede Person sowie in der Einrichtung insgesamt analysieren und festlegen kann.

So lassen sich zunächst das Fähigkeitsprofil und der individuelle Förderbedarf der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermitteln und ihnen dann ein gezieltes Training anbieten. Sämtliche Lerneinheiten sind in einem pädagogischen Handbuch dargestellt. Dieses etwa 900 Seiten starke Werk ist genauso modular aufgebaut wie das gesamte Förderkonzept. So lassen sich je nach Bedarf ausgewählte Kapitel daraus nutzen ohne das gesamte Buch durchzuarbeiten. Das Schulungsprogramm samt Handbuch lässt sich kostenfrei unter www.kompetent-mobil.de nutzen.

Für die Projektpartner von „Kompetent mobil“ stand bei der Entwicklung des Konzeptes die individuelle Förderung der Kompetenzen von Beschäftigten aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen im Mittelpunkt, damit diese auch Praktikumsplätze und Arbeitsstellen außerhalb der Werkstätten sicher erreichen können. So richtet sich das Programm zunächst an Berufsgruppen, die Menschen mit Behinderungen in Werkstätten, Berufsbildungswerken, Berufsförderungswerken und anderen Institutionen wie Integrationsfachdiensten beraten, begleiten und unterstützen – wie etwa Fachkräfte, Berater, Bildungsbegleiter, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten, Sport- und Fitnesskaufleute und Heilerziehungshelfer. Das Konzept lässt sich aber auch auf Mobilitätssituationen von Menschen mit Behinderungen außerhalb des Berufslebens übertragen.

Transfer in die Praxis
Im Projektverlauf fanden im gesamten Bundesgebiet zahlreiche Transferveranstaltungen statt. Dabei wurden Fachkräfte zu Multiplikatoren geschult, die in ihren Einrichtungen beziehungsweise Regionen das mobilitätsbezogene Assessment und Mobilitätstraining durchführen. Ferner wurden die Projektergebnisse bislang auf je einer Fachtagung in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hamburg vorgestellt. Sie stießen auf sehr positive Resonanz. Eine solch zugespitzte Form der speziellen Mobilitäts-Einzelförderung sei bisher einzigartig, so die Einschätzung zahlreicher Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Transferveranstaltungen. Sowohl das Assessment-Verfahren als auch die Lerneinheiten wurden als hilfreich, praxisnah, verständlich und äußerst anwenderfreundlich bewertet. Die Konzeption sei genau das, was viele für ihre Arbeit mit mobilitätsbeeinträchtigten Menschen aller Altersstufen brauchten.

Nicht nur Werkstätten für behinderte Menschen zeigten Interesse an den Modulen zum Mobilitätstraining. Auch Schulen und Integrationsfachdienste sehen für die Förderung des Übergangs von der Schule in das Berufsleben einen besonderen Bedarf an Schulungsunterlagen zur Mobilitätsförderung. Ebenso können Fachkräfte aus den Wohnbereichen der Behinderten- und Altenhilfe mit dem Material arbeiten. Und auch zahlreiche Vertreter regionaler Busunternehmen haben sich bereits über das Konzept informiert, weil sie ein großes Interesse an der sicheren Beförderung von Menschen mit Mobilitätsbeeinträchtigungen wie etwa Rollstuhl- oder Rollator-Nutzern haben.

Veranstaltungen für Interessierte
Die Nachfrage nach Workshops und Seminaren zum Thema war so groß, dass sie bis zum Ende der Projektlaufzeit im Frühjahr 2014 gar nicht abschließend bedient werden konnte. So setzt die Projektgruppe ihre Fortbildungen nach dem „Train the Trainer“-Prinzip auch noch zukünftig fort. Auch weitere Interessenten für eine Einführung in das Förderkonzept sind willkommen. Angeboten werden zum einen ein- bis zweitägige Multiplikatorenseminare für Fachkräfte, Lehrkräfte und Therapeuten und zum anderen Mobilitätstrainings für mobilitätseingeschränkte Menschen in Form von Wochenendseminaren.

Darüber hinaus wird 2015 eine weitere Fachtagung zu den Ergebnissen des Projekts „Kompetent mobil“ in der BGW Akademie Dresden stattfinden. Auch dort wird es schwerpunktmäßig um den Transfer der Projektergebnisse gehen. Zu den drei wesentlichen Handlungsfeldern werden praxisorientierte Workshops angeboten. Weitere Informationen zu den bereits geplanten Veranstaltungen und zu möglichen weiteren Workshops und Seminaren geben die Projektpartner auf Anfrage.

Projektdaten

Beginn:

01.04.2011


Abschluss:

31.03.2014


Fördernummer:

AZ VA 4-58 330/241

Kostenträger:

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)

ICF-Bezug des Projekts:

  • Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen.
  • Die ICF wird genutzt, z. B. durch den Einsatz von ICF-basierten Instrumenten / Skalen zur Beschreibung von Untersuchungsvariablen, Verlaufsdokumentation, Ergebnismessung.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt

Projektleitung:

  • Dings, Wolfgang

Mitarbeitende:

  • Anneken, Volker, Dr. | 
  • Bauer, Oliver | 
  • Becker, Nadine | 
  • Bungter, Tanja | 
  • Hohendorf, Nico | 
  • Künemund, Martin | 
  • Magdalinski, Martina | 
  • Mies, Jürgen | 
  • Nagel, Lena | 
  • Richarz, Peter | 
  • Sauerland, Katharina | 
  • Will, Leonie

Institutionen:

Berufsförderungswerk (BFW) Bad Wildbad gGmbH
Paulinenstraße 132
75323 Bad Wildbad
Telefon: 07081 175-501 E-Mail: n.becker@bfw-badwildbad.de
Homepage: https://bfw-badwildbad.de/

Ansprechpersonen BFW Bad Wildbad:
Wolfgang Dings, Geschäftsführer des BFW Bad Wildbad
Oliver Bauer, Abteilungskoordinator Physiotherapie
Nadine Becker, Physiotherapeutin

Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
Hauptverwaltung
Pappelallee 33/35/37
22089 Hamburg
Telefon: 040 202 07-3193 E-Mail: Martina.Magdalinski@bgw-online.de
Homepage: https://www.bgw-online.de

Ansprechpersonen BGW Hamburg:
Nico Hohendorf, Referent Kampagnen und Veranstaltungen
Martina Magdalinski, Fachkoordinatorin für Beratung und Inklusion

Deutscher Rollstuhl-Sportverband e. V.
Peter Richarz, DRS Referat Klinik, Lehre und Breitensport
Friedrich-Alfred-Straße 10
47055 Duisburg
Telefon: 0203 71 74-182 E-Mail: p.richarz@buk-hamburg.de
Homepage: https://drs.org/

Josefsheim gGmbH
Heinrich-Sommer-Straße 13
59939 Olsberg
Telefon: 02962 800-469 E-Mail: M.Kuenemund@Josefsheim-Bigge.de
Homepage: http://www.Josefsheim-Bigge.de

Ansprechpersonen Josefsheim:
Martin Künemund, Projektkoordinator im Josefsheim
Jürgen Mies, Bildungsbegleiter in der WfbM des Josefsheims

Wissenschaftliche Begleitung:
Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS gGmbH)
an der Deutschen Sporthochschule Köln
Paul-R.-Kraemer-Allee 100
50226 Frechen
Telefon: 02234 20 52-307 E-Mail: info@fi-bs.de
Homepage: http://www.fi-bs.de

Ansprechpersonen FIBS:
Dr. Volker Anneken, Geschäftsführer des FIBS
Tanja Bungter, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Lena Nagel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Katharina Sauerland, Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Leonie Will, Wissenschaftliche Mitarbeiterin

http://www.kompetent-mobil.de

Das ICF-basierte Assessment-Instrument sowie das Handbuch mit den Lerneinheiten stehen kostenlos auf der Projekthomepage zur Verfügung.

Pressespiegel Kompetent mobil

„Mehr Lebensqualität durch mehr Mobilität“
Westfalenpost vom 31. Mai 2012

„Kompetent Mobil“
Westfalenpost vom 03. Juni 2012

„Bessere Berufschancen durch mehr Mobilität“
Die Wochenzeitung / Nr. 21 vom 06. Juni 2012

„Bessere Mobilität für mehr Lebensqualität“
Westfalenpost vom 25. Juni 2012

„Mobil für die berufliche Weiterentwicklung“
Westfalenpost vom 27. Oktober 2012

„Mobilität ist der Schlüssel zu beruflicher Weiterentwicklung“
Die Wochenzeitung / Nr. 40 vom 31. Oktober 2012

„Mobilität ist der Schlüssel“
Sauerlandkurier vom 31. Oktober 2012

„Einblicke 2012“
Caritasverband vom Juni. 2012

Vorstellung Projekt „Kompetent Mobil“
Spitzenmedizin menschlich vom April 2013

„Bessere Lebensqualität durch mehr Mobilität“
Schwarzwälder Bote vom 05. März 2014

„Kompetent Mobil“ für Menschen mit Behinderung
Spitzenmedizin menschlich vom Januar 2014

„Auf der Zielgeraden“
Deutscher Rollstuhl-Sportverband vom Februar 2014

Projekt „Kompetent Mobil“
Nicole Biesinger für das BFW Bad Wildbad

„Kompetent Mobil“ in der Behindertenhilfe
Deutscher Rollstuhl-Sportverband vom 06. Februar 2014

„Mit Rollstuhl kompetent mobil sein“
Westfalenpost vom 10. März 2014

„Mobilität bedeutet Lebensqualität“
Der Dom Nr. 12 vom 23. März 2014

„Mobilität Behinderter deutschlandweit stärken“
Schwarzwälder Bote und Lokal XXL Nachrichten aus deiner Stadt
vom 19. März 2014

Magdalinski, M.; Künemund, M. (2015):
Mobilität ist der Schlüssel - Kompetent mobil entwickelt Förderkonzepte für Menschen mit Behinderung.
In: Werkstatt:Dialog (31. Jahrgang, Heft 1), S. 32-35

Kompetent mobil – Promoting the mobility competence of people with disabilities

"Kompetent mobil" aims to improve the vocational and social opportunities for participation of people with disabilities in sheltered workshops and on the first labour market. Its focus is on the individual assessment and support of the mobility competence. The target groups are people with physical, sensory, cognitive and psychological impairments with the perspective of the transfer from sheltered work to the first labour market. The project partners developed an ICF-based assessment instrument and a module with learning units to promote the mobility competence. The main focus of the module is on training to travel by public transport as well as with a wheelchair, rollator, bicycle and handbike and a safety training for pedestrians.

Referenznummer:

R/FO125325


Informationsstand: 10.01.2020