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Angaben zum Forschungsprojekt

Teilhabekompetenz stärken I - Tagung

Gesamtziel und Inhalte der Maßnahme:
Der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf (DVBS) wird zunehmend mit Teilhabeanforderungen Dritter, gesetzgebender Instanzen, Parteien und anderen Organisationen, konfrontiert. Auf der anderen Seite stehen die Teilhabeinteressen und -forderungen seiner Mitglieder, z.B. bezüglich der barrierefreien Gestaltung des beruflichen und Lebensumfeldes. Zudem muss die Qualität von Teilhabeaktivitäten immer stärker professionellen Anforderungen entsprechen.

Um sich diesen Herausforderungen besser als bisher stellen zu können, beabsichtigt der DVBS als Selbsthilfeorganisation blinder und sehbehinderter Menschen, eine größere Gruppe seiner Mitglieder als bisher für Aktivitäten im Zusammenhang mit politischen Beteiligungsprozessen im Bereich der Behindertenpolitik bzw. des Teilhaberechts zu schulen. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Begleitung der Bundesgesetzgebung, von Partei- und Bundestagswahlprogrammen sowie für Positionsentwicklungen von Spitzenverbänden der Sozialpartner und der Sozialverbände. Die Gruppe der Aktivisten des DVBS im Teilhabebereich schrumpft altersbedingt und soll deshalb durch jüngere Mitglieder erweitert werden. Personen, die grundsätzlich bereit sind, sich diesen Herausforderungen zu stellen, sind vorhanden.

Das neue Schlüsselthema "Digitalisierung" wirkt in fast alle Lebensbereiche hinein und wirft entsprechend viele Fragen nach barrierefreiem Zugang für blinde und sehbehinderte Menschen auf. Insofern wird durch die Qualifizierung weiterer Teilhabeakteure die Kompetenzgruppe vergrößert und das Spektrum der vertretenen Fachlichkeiten erweitert und aktualisiert werden. In unterschiedlichen Schwerpunkten fachlich qualifizierte blinde und sehbehinderte Menschen sollen sich die benötigten Kompetenzen aneignen. Sie sollen fähig sein z. B.
- zur Analyse von Gesetzesvorlagen
- zur Entwicklung von fundierten Stellungnahmen
- zur interdisziplinären Kooperation unter selbst von Behinderung betroffenen Fachleuten
- zum überzeugenden öffentlichen Auftreten und
- insbesondere zur effizienten fachlichen Einarbeitung in neue oder nur teilbekannte Gegenstände.

Die Qualifizierung soll realitätsnah an aktuellen Themenstellungen erfolgen, die absehbares Teilhabepotential enthalten. Die EU-Richtlinie RL (EU) 2016/2102 vom 26. Oktober 2016 zu barrierefreien Websites stellt eine solche aktuelle Themenstellung dar. Sie verpflichtet alle öffentlichen Stellen der Mitgliedsstaaten, in absehbarer Zeit die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um ihre Websites und mobilen Anwendungen besser zugänglich zu machen, indem sie sie wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust gestalten (Art. 4 der RL). Dazu haben diese Stellen Berichtspflichten (Art. 7 der RL) sowie Überwachungs- und Feedback/Beschwerdemechanismen einzurichten (Art. 8 und 9 der RL).

Damit diese Mechanismen in angemessener Weise auf Bundesebene implementiert werden, ist es erforderlich, dass Organisationen behinderter Menschen, darunter der DVBS, diesen Prozess begleiten und sich effektiv an ihm beteiligen können. Dementsprechend lassen sich die skizzierten Qualifikationen an der o.g. EU-Richtlinie exemplarisch sehr gut vermitteln und aneignen: Es handelt sich insoweit um komplexe wechselseitige Abhängigkeiten aus juristischen Normen, technischen Standards, politischen Rahmenbedingungen und Verfahren der Umsetzung in konkretes Verwaltungshandeln. Von daher sind die Kompetenzen der Beteiligten fachlich auf juristisches, technisches, politisches, partei-, verbands- und verwaltungsorganisatorisches Gebiet zu beziehen und dafür die Wissensbasis zu schaffen.

Um sich den sich bietenden Teilhabemöglichkeiten auf Bundesebene erfolgreich und qualifiziert stellen zu können, baut der DVBS seinen noch kleinen vorhandenen Pool geeigneter Personen aus. In seinem Arbeitsschwerpunkt Digitalisierung und Teilhabe installiert er ein Netz von hauptsächlich blinden und sehbehinderten Digitalisierungsbotschaftern. Sie sollen nach entsprechender Schulung in der Lage sein, die Belange blinder und sehbehinderter Menschen sowohl gegenüber den öffentlichen Stellen des Bundes, in Spitzenverbänden und -organisationen wie auch gegenüber der interessierten Öffentlichkeit zu vertreten.

Die beantragte Maßnahme dient dem Erwerb der nötigen Kompetenzen am konkreten Beispiel der EU-Richtline RL (EU) 2016/2102 und trägt zum weiteren Aufbau eines Kompetenzpools für politische Partizipation bei.

Weiteres Ziel der Maßnahme ist, nach ihrem Abschluss im Dialog mit den Vertretern der Bundesbehörden zu einer Verbesserung der Barrierefreiheit der öffentlichen Websites wie auch elektronischer Akten zu kommen. Damit können außerdem modellhaft weitere Aktivitäten zu vergleichbaren Themen und auf anderen Feldern initiiert bzw. beeinflusst werden.



Beginn:

21.10.2017


Abschluss:

22.10.2017


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
im Rahmen des Bundesprogramms zur Förderung der Partizipation von Menschen mit Behinderungen und ihrer Verbände an der Gestaltung öffentlicher Angelegenheiten (§ 19 BGG, Förderrichtlinie vom 26.10.2016)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125859


Informationsstand: 14.08.2019