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Angaben zum Forschungsprojekt

Projekt zur politischen Partizipation taubblinder Menschen

Taubblinde Menschen erleben in ihrem Alltag vor allem Barrieren in den Bereichen Kommunikation, Mobilität, Information und Alltagsbewältigung. Wenn z. B. im Haushalt einer taubblinden Person der Herd nicht mehr heiß wird, hat sie kaum Möglichkeiten, das Problem selbst zu lösen. Sie kann nicht erkennen, ob ggf. noch eine Kontrolllampe leuchtet, kann nicht selbst in ein Geschäft gehen und einen neuen Herd kaufen und auch keine Firma anrufen, die sich den Herd ansieht. Auch der Anruf beim Pizza-Service oder zu einem Restaurant zu gehen, ist allein nicht möglich. Dieses Beispiel zeigt bereits, dass taubblinde Menschen für die Realisierung gleichberechtigter Teilhabe am Leben auf erhebliche Unterstützung angewiesen sind und dass das Fehlen derselben gravierende Folgen für die persönliche körperliche und seelische Gesundheit, Bildung, berufliche Teilhabe und soziale Beziehungen hat.

Der Bedarf taubblinder Menschen an Bildungs- und Rehamaßnahmen, Beratung und adäquaten Hilfsmitteln, persönlicher Taubblindenassistenz, spezifischen Dolmetschleistungen sowie geeigneten Wohn- und Betreuungsformen ist erheblich und kann im derzeitigen Sozialleistungssystem nur unzureichend abgedeckt werden.
Das führt einerseits zu Barrieren und Benachteiligungen taubblinder Menschen in fast allen Lebensbereichen: In der persönlichen Lebensqualität, Gesundheit, Bildung, sozialen, beruflichen und politischen Teilhabe. Andererseits führt es dazu, dass taubblinde Menschen wenig Ressourcen haben, um an dieser Situation etwas zu ändern.

In den letzten 15 Jahren hat sich die Arbeit für taubblinde Menschen zunehmend zu einer kooperativen Zusammenarbeit und Selbsthilfe entwickelt. Beim DBSV wird die Arbeit im Bereich Taubblindheit und Hörsehbehinderung inzwischen von Betroffenen selbst getragen und mit BAT und LMU haben sich zwei eigenständige Selbsthilfevereinigungen gebildet. Diese Selbsthilfeaktivitäten richten sich bisher vor allem auf die gegenseitige Unterstützung in Alltagsfragen, auf den Austausch untereinander und gemeinsame Bildungs- und Kulturaktivitäten. Nun ist aber auch zu gewährleisten, dass taubblinde Menschen selbst ihre Bedarfe formulieren und sozialpolitische Ziele kompetent in Strategien der politischen Partizipation umsetzen können.

Im Projektzeitraum werden drei Wochenendseminare zu den Themen der politischen Partizipation angeboten. Einerseits informieren sie in für taubblinde Menschen barrierefreier Form praxisnah über die nachfolgend genannten Themen. Andererseits leiten sie die Teilnehmenden an, in diesen Bereichen bereits selbst politisch aktiv zu werden und erste Schritte zur Umsetzung des entsprechenden Engagements zu planen:
- das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland und ihr gegliedertes Sozialleistungssystem, politische Willensbildung und Gesetzgebung sowie Partizipation der Zivilgesellschaft
- Strategien und Maßnahmen politischer Partizipation / Formulieren politischer Dokumente
- Grundlagen von Vereins- und Verbandsarbeit und Leitungsaufgaben in Selbsthilfevereinigungen
Organisation, Durchführung, sowie inhaltliche und organisatorische Vor- und Nachbereitung der Seminare erfordern einen Personalaufwand von ca. zwei Personenmonaten pro Seminar, also zusammen 6 Personenmonate.

Zu den Inhalten der Bildungsmaßnahmen werden Texte in verständlicher Sprache formuliert. Sie werden als sehbehindertenfreundliche Gebärdenvideos, Großdruckausgaben, in Brailleschrift, als barrierefreie digitale Dokumente und im Internet bereit gestellt.
So stehen sie außer den direkt am Projekt Beteiligten auch allen an Taubblindenpolitik Interessierten zur Verfügung. Zudem können andere Behindertenorganisationen, vor allem aus dem Gehörlosenbereich sowie solche, die besonderen Bedarf an möglichst verständlicher Sprache haben, auf diese Grundlageninformationen zugreifen.
Solche Texte werden außerdem zu aktuellen Fragen der Projektinhalte erstellt, z. B. zu aktuell beschlossenen oder in Vorbereitung befindlichen Gesetzen oder Vorschriften. Dadurch kann im Projekt an aktuellen Fragen konkret und exemplarisch gearbeitet werden.

Die am Projekt beteiligten taubblinden Menschen werden durch die ProjektmitarbeiterInnen individuell begleitet. Bei Verständnisfragen und konkreten Projektaktivitäten erhalten sie individuell die Unterstützung, die sie für eine erfolgreiche Arbeit brauchen. Dazu werden sie regelmäßig in den für sie günstigsten Kommunikationsformen kontaktiert, z. B. Mail, Videotelefonie mit Gebärdensprache, Chat, Brailleschrift, Lormen und taktiles Gebärden im Direktkontakt.

Die Projektinhalte werden konkret anhand der Situation taubblinder Menschen behandelt. So wird analysiert, wie Unterstützungsleistungen für taubblinde Menschen derzeit aussehen, wie sie sich durch das Bundesteilhabegesetz und die Einführung des Merkzeichens TBl im Schwerbehindertenausweis verändern und welche Maßnahmen noch nötig sind. Dazu werden beispielhaft konkrete Maßnahmen der politischen Partizipation geplant und durchgeführt.



Beginn:

01.09.2017


Abschluss:

31.08.2020


Art:

Gefördertes Projekt / Eigenprojekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
im Rahmen des Bundesprogramms zur Förderung der Partizipation von Menschen mit Behinderungen und ihrer Verbände an der Gestaltung öffentlicher Angelegenheiten (§ 19 BGG, Förderrichtlinie vom 26.10.2016)



Weitere Informationen


Abstract

Project for Political Participation of Deaf-Blind People

In a three years project
- Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV)
German Federation oft he Blind and Partially Sighted
- Bundesarbeitsgemeinschaft der Taubblinden (BAT)
Federal Assotiation oft he Deaf-Blind
- Leben mit Ushersyndrom e. V. (LMU)
Living with Usher-Syndrom
work together to empower deaf-blind people to more political participation. That way the project helps to fullfill the UN CRPD in helping a strongly vulnerable group to more participation.
Parts oft the project are:
- to explane to deaf-blind people democratic processes, legislation and oportunities of civil society in influencing political discussions
- to explane the system of social policy in Germany
- to analyse the social law basis of support for deaf-blind people, to encurrage them to formulate political goals concerning this basis and to plan strategies to reach these goals
- to strengthen the commitment of deaf-blind people to improve their own situation
It is planned to:
- to provide information about the political topics of the project in all accessible formats
- accessible workshops
- individual and group coaching


Referenznummer:

R/FO125864


Informationsstand: 20.08.2019