Inhalt

Forschungsprojekt
Projektart: Gefördertes Projekt
Diagnostik von Ressourcen bei Rehabilitanden - eine explorative Bestandsaufnahme zur Konzeptualisierung und Operationalisierung neuer psychodiagnostischer Foki

Beschreibung / Inhalte

Hintergrund:

Ressourcen werden in der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) wie auch in der Psychotherapieforschung einen zentralen Stellenwert in der Behandlung von Patienten zugesprochen (Grawe, 1998) In der medizinischen Versorgung findet neben der Diagnostik psychischer bzw. somatischer Störungen die ressourcenorientierte Beurteilung von Patienten immer mehr Beachtung in der individuellen Therapieplanung. In der medizinischen Rehabilitation gibt es bislang wenig Erfahrung über die Bedeutung von Ressourcen bei Rehabilitanden und keine psychodiagnostischen Verfahren, die sich nach bisherigem Wissensstand mit der generischen Erfassung von Ressourcen beschäftigt haben.
In diesem Projekt wird das Konstrukt Ressourcen konzeptionell im Reha-Kontext (chronische Erkrankung; institutionelle Besonderheiten wie räumliche Distanz vom Wohnort, begrenzter Behandlungszeitraum) betrachtet und als Basis für die Entwicklung eines multidimensionalen Instrumentes zur ökonomischen Erfassung von Ressourcen bei Rehabilitanden herangezogen.

Methodik:

Basierend auf einer Literaturrecherche zum Konstrukt Ressourcen wurde ein Interviewleitfaden zur Erfassung von Ressourcen bei Rehabilitanden entwickelt. Im Anschluss wurden in einer Querschnittsuntersuchung 36 problemzentrierte Interviews mit Rehabilitanden aus drei Indikationsgebieten (Psychosomatik; Orthopädie; Kardiologie) geführt. Die Interviews fokussierten hierbei auf sieben Themenbereiche (z. B. erfolgreiche Krisenbewältigung; Nutzung bzw. Nicht-Nutzung (Verfügbarkeit) von Ressourcen in der Rehamaßnahme). Im Anschluss wurden die mit Tonband aufgezeichneten Interviews transkribiert und inhaltsanalytisch ausgewertet (Mayring, 2002).

Ergebnisse:

In den Aussagen der interviewten Rehabilitanden konnte eine Vielzahl von Ressourcen identifiziert werden, die für die Befragten nützlich erlebt werden. Sie lassen sich inhaltlich im Wesentlichen den Bereichen volitionale und motivationale Fähigkeiten (z. B. Selbstwirksamkeit; Handlungskontrolle; Optimismus), Selbstwerterleben, positive Aktivitäten, soziale Unterstützung (z. B. Familie; Freundschaften) und zielbezogene Perspektiven zuordnen.

Unter Einbezug des Reha-Kontextes, d. h. bezogen auf die Relevanz der o.g. Ressourcenbereiche auf die chronische Erkrankung und den Reha-Verlauf, zeichnete sich bei den Befragten erwartungsgemäß ein unterschiedliches Bild ab, was die individuelle Bedeutung von Ressourcen unterstreicht. So erlebten beispielsweise einige Befragte die räumliche Distanz von Familie und Freunden als besonders hilfreich für die Behandlung, bei anderen jedoch führte diese Trennung eher zu einem negativ erlebten Verlauf bis hin zum Wunsch, die Behandlung abzubrechen. In einem anderen Beispiel erlebten viele Befragte den Informationsaustausch wie auch die erlebte emotionale Unterstützung durch die Mitpatienten als sehr hilfreich. Jedoch wurde auch deutlich, dass nicht jeder Patient im Rahmen seines Persönlichkeitsstils bzw. seiner verfügbaren sozialen Kompetenzen die Nähe zu Mitpatienten als nützlich erlebte („alleine unter vielen“).

Ausblick:

Die Vielzahl der in den Interviews gefundenen Ressourcen zeigt, dass die Komplexität des Gegenstandbereiches und die erlebte Wechselbeziehung mit der Reha-Maßnahme eine sinnvolle Reduktion bzw. Fokussierung notwendig macht.
In der konzeptionellen Verortung von Ressourcen bei Rehabilitanden können zum einen Ressourcenbereiche identifiziert werden, die in der alltäglichen Bewältigung von Problemen als nützlich erlebt werden, bereits erfolgreich eingesetzt worden sind und im zeitlichen Kontext relativ stabil sind. Zum anderen wird der aktuelle Problembereich eines Patienten durch die chronische Erkrankung (Reha-Kontext) bestimmt, in denen die Nutzung und erlebte Relevanz der Ressourcen (z. B. Ausnahme der erlebten Belastung) eine besondere Rolle bei der Krankheitsbewältigung spielen.

Auf Basis der gefundenen Ergebnisse erfolgt die Entwicklung eines Itempools, der die Erfassung der o.g. Ressourcenbereiche im Kontext der alltäglichen und aktuellen Problembereiche abbildet. Der Itempool befindet sich aktuell in der Erprobung.

Projektdaten

Beginn:

01.04.2008


Abschluss:

30.09.2011


Kostenträger:

  • Gesellschaft für Rehabilitationswissenschaften Nordrhein-Westfalen e. V.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt

Projektleitung:

  • Heuft, Gereon, Univ.-Prof. Dr. med. Dr. theol. | 
  • Greitemann, Bernhard, Prof. Dr. med. Dipl.-Oec.

Mitarbeitende:

  • Hinrichs, Jens, Dr. rer. medic, Dipl.-Psych. | 
  • Fiedler, Rolf G., Dr. rer. medic., Dipl.-Psych.

Institutionen:

Universitätsklinikum Münster
Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie
Domagkstr. 22
48149 Münster
Telefon: 0251 83-9202 E-Mail: psychosomatik@mednet.uni-muenster.de
Homepage: https://www.ukm.de/index.php?id=rehabilitationsfor...

Hinrichs J, Greitemann B, Heuft G (2010) Diagnostik von Ressourcen - eine explorative Bestandsaufnahme zur Konzeptualisierung und Operationalisierung neuer psychodiagnostischer Foki. 19. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: 08.-10.3.2010 in Leipzig. DRV-Schriften, Bd. 88, S. 508-509

Hinrichs J, Fiedler RG, Greitemann B, Heuft G (2011) Diagnostik von Ressourcen - eine explorative Bestandsaufnahme. 20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: 14.-16.3.2011 in Bochum. DRV-Schriften, Bd. 93, S. 88-89

Referenznummer:

R/FO3758


Informationsstand: 09.04.2020