Inhalt

Forschungsprojekt
Projektart: Gefördertes Projekt Dissertation Diplom- / Masterarbeit
Operationalisierung von Fähigkeitsstörungen und der sozialmedizinischen Beurteilung mit dem Mini-ICF-APP bei Patienten in der psychosomatischen Rehabilitation

Beschreibung / Inhalte

Chronische Erkrankungen führen zu Beeinträchtigungen, die sich in Behinderungen in der Erfüllung sozialer Rollen niederschlagen, d. h. aus Krankheitssymptomen werden Funktionsstörungen, die zu Fähigkeitsstörungen und schließlich Teilhabe- bzw. Partizipationsstörungen führen (Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, ICF).

In einem ersten Forschungsschritt wurde unter Bezug auf das Groningen Social Disability Schedule-II (GSDS-II) und in Anlehnung an die ICF ein Instrument ( Mini-ICF-Rating für Psychische Störungen (Mini-ICF-APP)) entwickelt, das erlaubt, in der klinischen Praxis wesentliche Elemente von Fähigkeitsstörungen bei psychischen Störungen zu operationalisieren, in kurzer Form zu erfassen und zu quantifizieren. Die erfassten Dimensionen sind: (1) Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, (2) Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, ( 3) Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, (4) Fachliche Kompetenz, (5) Entscheidungsfähigkeit, (6) Durchhaltefähigkeit, (7) Selbstbehauptungsfähigkeit, (8) Kontaktfähigkeit zu Dritten, (9) Gruppenfähigkeit, ( 10) Fähigkeit zu familiären bzw. intimen Beziehungen, (11) Fähigkeit zu außerberuflichen Aktivitäten, (12) Fähigkeit zur Selbstversorgung, (13) Wegefähigkeit. Es werden in einem Manual ausführliche Ankerdefinitionen gegeben, die aus dem GSDS-II und der ICF abgeleitet wurden.

In einem nächsten Schritt wurde die Validität des Mini-ICF-P-APP untersucht. Es fand sich in einer unausgelesenen Population von Patienten, die sich in stationärer psychosomatischer Rehabilitation befanden über alle Dimensionen ein Durchschnittswert (Summe durch Zahl der Ratings) von M= 1.14, SD= .69. Die möglichen Werte liegen zwischen 0 und 4. Die geringsten Beeinträchtigungen traten im Bereich der "Selbstversorgung" (M= .58, SD= .77) und der "Anpassung an Regeln und Routinen" (M= .74, SD= .98) auf, während Beeinträchtigungen in den Bereichen "Flexibilität" (M= 1.67, SD= 1.06) und Selbstbehauptung (M= 1.64, SD= 1.07) am stärksten ausgeprägt waren. Es fanden sich signifikante Korrelationen einzelner Dimensionen wie auch des Gesamtwerts mit dem Grad der psychischen Störung, gemessen mit der Symptom-Checkliste-90 (SCL-90), mit der subjektiven Arbeitseinstellung der Probanden, gemessen mit dem Fragebogen zu Arbeitsbezogenen Erlebens- und Verhaltensmustern (AVEM) und mit der Dauer der Arbeitsunfähigkeit vor Aufnahme.

In einem Folgeprojekt wurde die differentielle Wertigkeit einzelner Fähigkeitsstörungen für die sozialmedizinische Beurteilung untersucht. Dazu wurde parallel zur Beurteilung mit dem Mini-ICF-P ein ausführliches Interview auf der Basis des Groningen Disability Schedules (GSDS-II) durchgeführt.

In weiteren laufenden Projekten werden Übersetzungen des Mini-ICF-APP in Italienisch und Englisch erarbeitet. Dazu werden in Kooperation mit Prof. M. Balestrieri, Psychiatrische Abteilung an der Universität Udine und mit Prof. A. Molobdynski von der Psychiatrischen Abteilung der Universität Oxford Untersuchungen zu Fähigkeitsstörungen bei unterschiedlichen psychischen Störungen durchgeführt.

Projektdaten

Beginn:

01.01.2002


Abschluss:

31.12.2013


Fördernummer:

8011-106-31/31.51.3

Kostenträger:

  • Deutsche Rentenversicherung Bund

ICF-Bezug des Projekts:

  • Die ICF ist Forschungsgegenstand, z. B. werden Core-Sets oder ICF-basierte Instrumente / Assessments entwickelt, Items operationalisiert oder die ICF-Anwendung erprobt.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt

Projektleitung:

  • Linden, Michael, Prof. Dr. med.

Mitarbeitende:

  • Baron, Stefanie, Dipl.-Psych. | 
  • Muschalla, Beate, Prof. Dr. phil.

Institutionen:

Rehabilitationszentrum Seehof
der Deutschen Rentenversicherung Bund
Lichterfelder Allee 55
14513 Teltow
Telefon: 03328 345678 E-Mail: michael.linden@charite.de
Homepage: https://fpr.charite.de/

Forschungsgruppe Psychosomatische Rehabilitation
an der Charite Berlin

Rehaforschungsverbund Berlin Brandenburg Sachsen
Charité
Luisenstr. 13a
10098 Berlin

Linden, M., Baron, S.: Das Mini-ICF-Rating für psychische Störungen - Mini-ICF-P Ein Kurzinstrument zur Beurteilung von Fähigkeitsstörungen bei psychischen Erkrankungen. Die Rehabilitation 2005, 44, 144 - 151.

Linden, M., Weidner, C.: Arbeitsunfähigkeit bei psychischen Störungen. Der Nervenarzt 2005, 76, 1421-1431
Baron S, Linden M: Disorders of functions and disorders of capacity in relation to sick leave in mental disorders. International Journal of Social Psychiatry, 2009, 55, 57 – 63.

Linden, M.: Der Beitrag von Sozialmedizin und ICF zu einer integrativen psychiatrischen Diagnostik. Die Psychiatrie, 2007, 4, 201 – 208
Baron S, Linden M: The role of the “International Classification of Functioning, Disability and Health, ICF” in the classification of mental disorders. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience, 2008, 258, 81 – 85.

Baron, S., Linden, M.: Wirksamkeitsanalyse einer stationären psychosomatischen Rehabilitation anhand des Mini-ICF-APP. Die Rehabilitation 2009, 48, 145-153.

Linden, M., Baron, S., Muschalla, B.: Mini-ICF-APP. Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen. Ein Kurzinstrument zur Fremdbeurteilung von Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychischen Erkrankungen in Anlehnung an die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation. Hogrefe und Huber Verlag, Göttingen 2015.

Linden, M.: Rehabilitationspsychotherapie. Definition, Aufgaben und Organisationsformen nach ICF und SGB IX. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation 2009, 84, 137-142

Linden, M., Baron, S., Muschalla, B.: Relationship between work related attitudes and capacities according to the ICF in patients with mental disorders. Psychopathology, 2010, 43, 262-267.

Disorders of Capacity as measured with the mini-ICF-P

Chronic illness results regularly in disorders of capacity (ICF). In reference to the Groningen Social Disability Schedule-II (GSDS-II) and the ICF an instrument (Mini-ICF-Rating for Psychological Disorders, Mini-ICF-P)) was developed, that allows to measure disorders of capacity related to disorders of mental functioning. Dimensions which are rated are: (1) adjustment to routines, (2) structuring of tasks, (3) flexibility, (4) competency, (5) decision making,(6) endurance, (7) assertiveness, ( 8) contact with others, (9) self exposure, (10) intimacy, (11) non-job acitivities, (12) self care,(13) mobility. For each dimension anker definitions and rating instructions are given in a manual. Investigations of validity showed in unselected patients in psychosomatic rehabilitation a sum score of M= 1. 14, SD= .69, with possible scores ranging from 0 to 4. The least impairment was found in respect to "Self care" (M= .58, SD= .77) and "adjustment to routines" (M= .74, SD= .98) while "flexibility" (M= 1.67, SD= 1.06) and assertiveness (M= 1.64, SD= 1.07) showed the highest scores. There were significant correlations with the Symptom-Checkliste-90 (SCL-90), attitudes to work (AVEM) and sick leave. In a further project the differential validity in respect to sick leave and special illness states has been tested. In ongoing projects an italian version is in preparation in cooperation with Prof. M. Balestrieri, Deptartment of Psychiatry at the University of Udine and an english version in cooperation with Prof. A. Molobdynski, department of Psychiatry at the University of Oxford. In empirical studies the spectrum of diasability dimensions in different mental disorders is assessed.

Referenznummer:

R/FO3450


Informationsstand: 29.11.2019