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Angaben zum Forschungsprojekt

IMPAK: Implementation von Partizipation und Inklusion für Menschen mit komplexen Beeinträchtigungen - Determinanten für Handlungsspielräume und bedarfsgerechte Unterstützungssettings

Ausgangspunkt:

Kernfrage des Projektes ist, wie es gelingt, bedarfsgerechte Handlungsspielräume im Sinne des SGB IX und der UN-BRK für Menschen mit komplexer Beeinträchtigung zu eröffnen und zu fördern. Untersuchungsfeld ist der Bereich des Wohnens im Zusammenhang mit dem Leben im Gemeinwesen; in Reformprozesse in diesem Feld ist der Personenkreis bisher ebenso gering einbezogen wie in wissenschaftliche Untersuchungen. Mit der Untersuchung soll ein Beitrag zur Verbesserung der Partizipationschancen des Personenkreises und zur Weiterentwicklung aller Angebote geleistet werden, unabhängig von der Logik "stationär - ambulant".

Definition „komplexe Beeinträchtigung“:

Die Wahl des Begriffes der Beeinträchtigung stellt den Anschluss an das ICF-basierte Behinderungsverständnis im Teilhabebericht des BMAS (2013) her. Eine komplexe Beeinträchtigung meint keinen Individualzustand, sondern einen dynamischen sozialen Prozess, der sich auf das (komplexe) Gefüge von Erlebens-und Verhaltensmöglichkeiten eines Menschen auswirkt und zwar in einer Weise, dass die Bedürfnisverwirklichung und damit die Entwicklung der Identität und Selbstbestimmung durch eine Vielzahl von Faktoren in besonderem Maß erschwert ist und eine sehr hohe soziale Abhängigkeit mit sich bringt. Einschränkungen von Kognition, Kommunikation, körperlichen, motorischen und Sinnesfunktionen oder des emotionalen Erlebens und des Verhaltens können dabei zusammen-, aber eben auch je einzeln wirken und sie sind untrennbar verbunden und verwoben mit sozialen, strukturellen und individuell-biographischen Bedingungen. Damit grenzt sich der im Projekt verwendete Begriff von einer nur auf geistige Beeinträchtigung in Kombination mit anderen Beeinträchtigungen bezogenen Verwendung ab. Vielmehr wird der Blick erweitert, um individuell und sozial geprägte Lebenssituationen, die in besonderem Maß durch Belastungen, Abhängigkeit und Exklusionsrisiken gekennzeichnet sind, beschreiben und Bedarfslagen identifizieren zu können.

Ziel:

Ziel des Forschungsprojektes ist die Identifizierung der für die Umsetzung von Personen- und Sozialraumorientierung sowie Partizipation erforderlichen und geeigneten strukturellen und prozessbezogenen Bedingungen einschließlich möglicher Grenzen des Wandels. Eines der Kernelemente dafür stellt die Durchbrechung der "institutionellen Orientierung" dar, die sich in einer binären Logik von "ambulant" und "stationär" bewegt und mit der formalen Organisationslogik auch Folgen für Ziele, Denkweisen und Handlungsprozesse zeitigt. Die Grenzen und Problemstellen, die auf den unterschiedlichen Ebenen bestehen, zu identifizieren, ist dabei genauso wichtig wie das Herausarbeiten der Gelingensfaktoren. Die Untersuchung soll dafür:

1. nicht einzig die Logik der Form oder Strukturbedingungen
identifizieren, sondern auch Handlungslogiken,

2. innere und äußere, makro- und mesostrukturelle Aspekte
miterheben und

3. beides in Bezug zu Bedarfslagen und zwar anhand
begründeter und differenzierter Modelle von Bedarfsgerechtigkeit setzen.

Das Projekt wird in diesem Rahmen eine Verknüpfung der Analyse der Makro-Ebene der Leistungssteuerung, der mesostrukturellen Ebene der Leistungserbringung und der Mikro-Ebene der Lebensführung vornehmen und zwar bezogen auf die Spannbreite der mit komplexen Beeinträchtigungen einhergehenden Bedarfslagen.

Untersuchungsebenen und Methodik:

Das IMPAK-Projekt lässt sich in drei Untersuchungsschritte, die jeweils auf unterschiedlichen Ebenen angesiedelt sind, unterteilen. Theoretisch wird eine Verbindung von struktur- und handlungsbezogenen Begründungsansätzen und methodisch ein Mixed-Methods-Design leitend für die Erhebungen.

1. Auf der Makroebene geht es um die Leistungssteuerung und
Leistungsformen. Leitende Fragen sind: Wie gestalten sich
die strukturellen Bedingungen der Leistungserbringung
bundesweit? Welche Bedarfslagen und Angebotsmodelle lassen
sich idealtypisch identifizieren? Als Methoden kommen
Experteninterviews und Dokumentenanalysen zum Einsatz.

2. Auf der Mesoebene geht es um die Leistungserbringung.
Leitende Fragen sind: Wie angemessen und wirksam sind die
Leistungen von Einrichtungen bezogen auf
Bedarfsgerechtigkeit, Wahlmöglichkeiten, Einbezug in
Lebensbereiche? Vorgesehene Methoden sind hier eine
Bestandserhebung nach Kriterien (Fragebogenerhebungen zu
Strukturen und Prozessen der Angebote), Interviews mit
Leitungskräften, Mitarbeiterbefragung, Dokumentanalysen.

3. Auf der Mikroebene geht es um die individuelle
Lebenssituation von Menschen mit komplexen
Beeinträchtigungen. Leitende Fragen sind: Wie sehen die
Passungsverhältnisse zwischen Menschen mit komplexen
Beeinträchtigungen und ihrem Umfeld aus? Welche
Handlungsspielräume (Aspekte von Lebensqualität) werden
realisiert? Wie werden sie realisiert, was wirkt darauf
ein? Methodisch kommt ein ethnografischer Forschungszugang
zum Tragen (Teilnehmende Beobachtung), ggf. ergänzt durch
stellvertretende Befragung, sowie Dokumentenanalysen.

In die Untersuchung einbezogen sind zehn Untersuchungsstandorte in verschiedenen Bundesländern, die insbesondere im Fokus der zweiten und dritten Untersuchungsebene (Meso- und Mikroebene) stehen. Sie repräsentieren ein breites Spektrum, bezogen auf die Heterogenität und Bedarfslagen des Personenkreises, auf die unterschiedlichen Anbieter und Angebotsformen, auf die Region (von der Großstadt bis zum ländlichen Raum) und auf strukturstarke und -schwache Gebiete. Die Untersuchung auf der Makroebene geht mit Blick auf die strukturellen Bedingungen der Leistungserbringung über die Einzelstandorte hinaus und nimmt bundesweite und bundeslandspezifische Bedingungen in den Blick.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Der bio-psycho-soziale Ansatz der ICF bildet einen konzeptionellen Bezugsrahmen für das Projekt.



Beginn:

01.07.2017


Abschluss:

30.06.2020


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125815


Informationsstand: 29.11.2019