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Angaben zum Forschungsprojekt

MeinBerufBau: Digitale Medien als Werkzeuge inklusiven Lernens in Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten der Bauindustrie

Titel:

MeinBerufBau
(MBB) - Toolbox für die inklusive Ausbildung im überbetrieblichen Ausbildungszentrum der Bauindustrie

Untertitel:

BMBF-Verbundprojekt "Digitale Medien als Werkzeuge inklusiven Lernens in
Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten der Bauindustrie"
(MeinBerufBau)

Zielgruppe:

Zunächst werden im Sinne eines engen Inklusionsverständnisses Auszubildende mit einer Lernbehinderung fokussiert. Im Verlaufe des Projekts wurde/wird eine Ausdehnung auf weitere "vulnerable" Gruppen mit Lernschwierigkeiten/-störungen vorgenommen.

Verortung:

Die Lernapp soll Auszubildende in einer berufsfeldbreiten Grundbildung der Berufsausbildungen in der Bauwirtschaft (1. Ausbildungsjahr) unterstützen.
Beteiligte Ausbildungsgruppen (zum derzeitigen Projektstand):
Beton- und Stahlbetonbauer/in, Hochbaufacharbeiter - Beton- und Stahlbetonarbeiten
Straßenbauer/in, Tiefbaufacharbeiter/in - Straßenbauarbeiten
Kanalbauer/in, Tiefbaufacharbeiter/in - Kanalbau
Rohrleitungsbauer/in, Tiefbaufacharbeiter/in - Rohrleitungsbau
Tiefbaufacharbeiter/in - Gleisbauarbeiten

Übergeordnetes Ziel:

Die Entwicklung der MBB-Toolbox soll einen Beitrag zur Gestaltung barrierefreier Lern- und Bildungsprozesse für ein gemeinsames Lernen von Auszubildenden mit und ohne Lernbehinderung (bzw. Lernschwierigkeiten/-störungen) leisten. Dies soll der Unterstützung beim Erlernen und langfristigen Ausüben einer beruflichen Tätigkeit in der Baubranche dienen.

Teilziele:

Drei Teilziele lassen sich aus dem Ziel der Förderung von Inklusion in der beruflichen Ausbildung ableiten.
Erstes Teilziel ist die Identifizierung von Lernbarrieren mit Hilfe einer Anforderungsanalyse sowie einer Lernpotenzialanalyse. Dieses ist der ersten Projektphase bereits durch insgesamt 9 Erhebungen als wesentlicher Schritt vollzogen worden.
Auf Basis dieser erhobenen Anforderungen und individuellen Lernpotenziale werden derzeit in einer ersten Pilotphase inklusionsorientierte, digitale Lernsettings in Form einer Lernapplikation mit diversen Hilfetools und einer persönlichen Lernumgebung (Personal Learning Environment/PLE) entwickelt. Der Auszubildende kann u. a. auf Basis von Nutzungsdaten in einem adaptiven Lernprozess bedarfsorientiert und individuell unterstützt werden.
Ein weiteres Teilziel ist im Anschluss eine nachhaltige Implementierung der Toolbox unter anderen in der Ausbildung des leitenden Projektpartners (s. Nachhaltigkeit und Transfer)

Beispiele identifizierter Lernbarrieren:

Die Erhebungsergebnisse der ersten Projektphase, die dem Teilziel der Identifizierung von Lernbarrieren dienten, bilden die Basis für die bisher konzipierten Hilfetools. Als ein Beispielbereich von vielen, in dem erwartungskonform Lernbarrieren festgestellt werden konnte, bezieht sich auf das Leseverständnis von fachmathematischen Fragestellungen. So wurden beispielsweise fehlende oder auch falsche Begriffsassoziationen durch die Probanden vorgenommen. Bei einigen Auszubildenden wurde keine oder eine falsche Sinnentnahme des Aufgabentextes ermittelt. Ebenso stellte der fehlende Abgleich des Aufgabentextes mit dem eigenen Rechenweg eine Lernbarriere für einige Probanden dar, so dass die gesuchte Größe nicht korrekt war. Auch Zahlen im Taschenrechner wurden falsch abgelesen, so dass das mündliche und schriftliche Ergebnis nicht identisch mit der Anzeige im Taschenrechner war. Auf der anderen Seite wurden einfache Rechenoperationen "im Kopf" falsch berechnet.

Bisher abgeleitete Hilfetools:

Aus den identifizierten Lernbarrieren konnten die folgenden Hilfetools abgeleitet werden: Eine Vorlesefunktion kann z.B. die Erfassung der Aufgabenstellung unterstützen; ein Glossar ermöglicht das Hinterlegen von eigenen Erläuterungen zu Fachtermini, z.B. auch in einer anderen Sprache; ein Abfragemechanismus lenkt die Aufmerksamkeit auf das Verständnis der Aufgabenstellung vor der eigentlichen Bearbeitung der Aufgabe; eine schrittweise geführte Berechnung dient der Förderung von strukturierten Arbeitsschritten und ermöglicht gezieltes Feedback durch das System; Maßeinheiten in einer Berechnung können individuell in einer bevorzugten Einheit eingestellt werden; ein integrierter Taschenrechner unterstützt die Berechnung von Zwischenergebnissen; Lerngegenstände werden in Abbildungen zur Förderung des räumlichen Vorstellungsvermögens bei zweidimensionalen Abbildungen aus verschiedenen Ansichten angezeigt; ein Quiz bietet ein aktives, spielerisches Erlernen von benötigten Fakten.

Mehrwert:

Die ÜBS stellt für die Berufe der Bauwirtschaft einen hochbedeutsamen Lernort dar. Unter Betrachtung, dass sich Heterogenität in der beruflichen Bildung im Berufsfeld Bautechnik in diversen Facetten entfaltet (kognitive Grundfähigkeiten, mathematische und sprachliche Fähigkeiten), hat das Thema Inklusion dennoch bislang hier vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalten. Dabei erscheint gerade dieser Lernort Insbesondere für Auszubildende mit Lernschwächen und deren spezifische Unterstützungsbedarfe in besonderem Maße potenzialreich. Auch Analysen der Ausbildungsinhalte zeigen einen besonderen Bedarf an Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsangeboten in der Ausbildung, besonders da sich spezifische Problemlagen bei weitergehenden Beeinträchtigungen des Lernens (z. B. Dyskalkulie, Legasthenie) zeigen. Auch aus Sicht der Betriebe besteht im Bereich von lernbehinderten Auszubildenden der größte Unterstützungsbedarf. Die Zahl der als lernbehindert anzunehmenden Auszubildenden, die in Ausbildungsberufe der Bauwirtschaft einmünden, ist als grassierend zu betrachten. Zu berücksichtigen ist ebenso, dass aufgrund des demografischen Wandels ein stetig wachsender Bedarf an Fachkräften im Besonderen für das Handwerk und die Bauindustrie vorliegt. Eine maßgebliche Unterstützung durch die Entwicklung digital gestützter Lernsettings, die in Form von personen-/bedarfsorientierten Lernangeboten die bestmögliche individuelle Entwicklung aller Auszubildenden intendieren, könnte einem negativen Trend mit entgegenwirken. In diesem Kontext ist auch die Lernapp MeinBerufBau zu sehen.

Nachhaltigkeit:

Zugunsten qualitativ hochwertiger Lernprozesse erfolgen die Evaluationen in der Erprobungsphase durch Ausbilder_innen, Auszubildenden und unabhängige Beobachter_innen.
Auch nach der Erprobungsphase ist geplant, die Lernapplikation fest im 1. Ausbildungsjahr in der überbetrieblichen Bildungsstätte des Berufsförderungswerks NRW gGmbH in Kerpen zu verankern.

Transfer:

Im Projektverlauf ist eine Verbreitung und Distribution der Projektergebnisse an ca. 330 Mitgliedsunternehmen der Bauindustrie NRW vorgesehen. Zur Übertragbarkeit auf alle ÜBS werden die erarbeiteten Lerninhalte zur Erstellung der Toolbox sowie alle Materialien der Workshops in Form von Open Educational Resources (OER) veröffentlicht.
Die Toolbox wird als Open Source Software anderen Universitäten, ÜBS und Schulen zur Verfügung gestellt.

Projektbeteiligte:

Ausbildungszentrum Kerpen (Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW
gGmbH)
Lehr- und Forschungsgebiet Fachdidaktik Bautechnik (RWTH Aachen)
Lehr- und Forschungsgebiet Informatik 9: Learning Technologies (RWTH
Aachen)



Beginn:

01.06.2018


Abschluss:

31.05.2021


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Dieses Vorhaben wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und aus dem Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union (ESF) gefördert - 'Inklusion durch digitale Medien in der beruflichen Bildung'



Weitere Informationen


Abstract

Learning in Inter-company Vocational Training Institutions of the Construction Industry

The joint project MeinBerufBau focuses, in the sense of a narrow understanding of inclusion, on trainees with a learning disability who (would like to) complete dual training in a training occupation in the construction industry. The aim is to develop digital learning settings that provide novel forms for joint learning by trainees with and without learning disabilities. The focus here is on designing barrier-free learning and education processes to support trainees in learning and exercising a vocational activity over the long term.

The Academic and Research Department Technical Didactics of Structural Engineering of RWTH Aachen University develops and tests together with the Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW gGmbH at the Kerpen Training Centre and the Learning Technologies Researchgroup of RWTH Aachen University inclusive learning settings which, based on content-related or subject-specific learning barriers, are linked in a potential-oriented manner to the individual learning requirements of the trainees and systematically refer to real practical requirements. In this context, it is planned to develop a mobile application including a toolbox for the development of collaborative specialist training content. In addition, didactic-methodical and technical instructions for trainers will be designed to support the integration of the learning application into the vocational teaching-learning processes. In the testing phases, the Academic and Research Department Technical Didactics of Structural Engineering and the Learning Technologies Researchgroup provide scientific support and evaluate the use of the learning application from a didactic, methodological and technical perspective.

The project MeinBerufBau focuses on basic vocational training (1st year of training) at the Kerpen training centre, where the learning applications developed are to be anchored as a constitutive element of training in the sense of sustainable implementation. A transfer to other inter-company vocational training centres is aimed for in the long term and made possible by the provision of the toolbox as Open Educational Resources.

The vocational field-wide training in the training centre comprises seven trades in which the learning application with its toolbox is developed, tested and evaluated in close cooperation with trainers and trainees. The focus here is on a toolbox that is geared to the lively day-to-day training, tailored to the needs and uses of the trainees and is intended to help them understand and implement specialist content more easily.

The Kerpen Training Centre supports RWTH Aachen University in this by participating in evaluations of everyday training, training instructors and trainees in workshops and organising and carrying out information events for partner companies in the construction industry.


Referenznummer:

R/FO125876


Informationsstand: 25.09.2019