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Angaben zum Forschungsprojekt

Bibliotherapie

Unter 'Bibliotherapie' versteht man Einsatz von Texten zu therapeutischen Zwecken. Bibliotherapie kann alleine i.S. von Selbsthilfeliteratur angewendet werden oder in Ergänzung zu einer Gruppen- und Einzelpsychotherapie eingesetzt werden. Sie kann die Patientenaufklärung, die partizipative Entscheidungsfindung, die Selbstverantwortung und die Krankheitsbewältigung von Patienten unterstützen und zu einer Behandlungsökonomisierung, einer Behandlungsintensivierung und einer Verbesserung des Behandlungstransfers beitragen. Bibliotherapie kann aber auch unerwünschte Wirkungen haben. Beispiele sind die Induktion von Missverständnissen, von Hoffnungslosigkeit und negativen Sichtweisen auf die eigene Erkrankung oder von Fehlbehandlungen. Wenn Therapeuten bibliotherapeutische Materialien empfehlen oder in ihre Therapie integrieren, dann sind sie wie bei der Verordnung anderer Therapeutika dafür verantwortlich, dass dem Patienten dadurch kein Schaden entsteht und dass die Therapie zielführend ist. Bislang gibt es aber keine bibliotherapeutischen Materialen, die hinsichtlich eines Einsatzes in der psychosomatischen Rehabilitation empirisch auf ihre Wirksamkeit hin überprüft sind.

Es wurde zunächst eine theoretische Übersicht zur Geschichte und dem aktuellen wissenschaftlichen Stand der Bibliotherapie erarbeitet und publiziert.

In einem nächsten Schritt wurde untersucht, in welchem Umfang, bei welchen Patienten und welchen Problemstellungen Verhaltenstherapeuten auf bibliotherapeutische Informationen und zugreifen und wie Patienten dies bewerten. Es ergaben sich Hinweise darauf, dass Bibliotherapie vor allem bei schwerer Kranken eingesetzt wurde und zu Veränderungen im Krankheitsverständnis der Patienten beitragen konnte.

In einer weiteren Studie wurde in einem randomisiert kontrollierten Design geprüft, welche Wirkungen die Ausgabe bibliotherapeutischer Materialien auf den Patienten und den Therapieverlauf hat. Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten durch die Überlassung von Broschüren ein vermehrtes Krankheitswissen habe,. Gleichzeitig zeigte sich, dass dies zu größerer Irritation im Therapieprozess und schlechteren Behandlungsergebnissen führte. Dies galt vor allem für weniger gebildete Patienten.

In einer weiteren Studie wird auf diesem Hintergrund das Thema der Barrierefreiheit von Infomaterialien erarbeitet. Es wird bearbeitet, wie Barrierefreiheit von Texten operationalisiert werden kann hinsichtlich Lesbarkeit, Verständlichkeit und Verstehen. Des Weiteren wird untersucht, von welchen Patienten- und Krankheitsfaktoren, die Verständlichkeit von Texten abhängt.



Beginn:

01.01.2003


Abschluss:

31.12.2013


Art:

Gefördertes Projekt / Dissertation / Diplom- / Masterarbeit / Studie


Kostenträger:


Deutsche Rentenversicherung Bund



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Abstract

Bibliotherapy

The use of written materials in the treatment of patients is called 'bibliotherapy'. It can be used as self-help material or as information distributed by therapists. It serves patient education, participation in treatment decisions, illness management and improvement of treatment.

It is an empirical question whether bibliotherapy is helpful or to what degree it deteriorates the course of treatment by inducing misunderstandings, hopelessness, or dysfunctional behavior. Therapists are responsible for the effects of bibliotherapy when they recommend such materials. There is a lack of research on positive and negative effects of bibliotherapy.

In a first step a review of the literature on bibliotherapy was done and published. Next, it was investigated to what extent, for which type of patient and problem, behavior therapists use written materials. It was found that these are more severely ill patients and that bibliotherapy can help to improve illness behavior.

In following randomized controlled clinical trial the effects of bibliotherapy on health literacy and treatment have been investigated. Patients who had read the information booklets had more illness knowledge than the controls. On the other hand, more information resulted in greater irritations in the treatment process and a worse treatment outcome. This has been true especially for les educated patients.

In a next study, rules for the writing of barrier free information booklets are developed in respect to readability, comprehensibility and understanding of texts.


Referenznummer:

R/FO3451


Informationsstand: 22.06.2018