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Angaben zum Forschungsprojekt

Projekt Bücherfuchs 'Seriereife Weiterentwicklung eines Hilfsmittels zum automatischen Scannen von gebundenen Druckwerken'

- Verbesserung der Literaturversorgung für blinde und sehbehinderte Menschen
- mit dem Bücherfuchs Buchscansystem können gedruckte Texte schnell und wirtschaftlich erfasst und den Benutzergruppen zugänglich gemacht werden
- der schnelle Weg zum barrierefreien Buch
- Ziel: geringe Investitionskosten von ca. 25.000 Euro ermöglichen den Eisatz in jeder größeren öffentlichen Bibliothek, als zusätzliche Dienstleistung ohne personellen Mehraufwand durch Geräteautomation

Mit dem automatischen Buch-Scannersystem 'Bücherfuchs' sind erstmals auch kleinere Bibliotheken und Archive in der Lage, kostengünstig eigene Buch- und Zeitschriftenbestände in größerem Umfang zu digitalisieren und ihren Nutzern zur Verfügung zu stellen: Informationen stehen schneller zur Verfügung oder werden bestimmten Benutzergruppen, wie z. B. blinden und hochgradig sehbehinderten Menschen, überhaupt erst zugänglich. Öffentlich zugängliche Volltextsammlungen tragen zu einem besseren Studierumfeld, Wissenstransfer und einer gleichberechtigten Teilhabe an unserer Informationsgesellschaft bei.

Kleinere und mittlere Einrichtungen verfügen meist nicht über die notwendigen finanziellen Mittel und das Personal für Anschaffung und Bedienung eines teuren manuellen Buchscannersystems oder gar eines Hochleistungsdigitalisierungssystems. Hier setzt der 'Bücherfuchs' an: Mit einem Minimum an Gerätetechnik, Fertigungs- und Bedienungsaufwand und einem Maximum an Funktionalität und Prozesssicherheit wurde ein automatisches Buchscannersystem realisiert, das zu einem sensationellen Preis (25.000 Euro) im Niveau herkömmlicher manueller Buchscannersysteme angeboten werden kann.

Das Entwicklerteam setzt damit voll auf die beginnende Massendigitalisierung und die entsprechend notwendigen Gesetzesänderungen im Rahmen des Urheberrechts und damit auf rapide steigenden Bedarf an preiswerten automatischen Buchscannersystemen.

Der 'Bücherfuchs' wurde vom Entwicklerteam um Dipl.-Ing. Jörg Beyer unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schlingensiepen im Fach Maschinenbau der Universität Wuppertal, Lehrgebiet Produktionstechnik und Produktqualität, im Rahmen eines Forschungsprojektes entwickelt. Ermöglicht hat die Entwicklung, umgesetzt aus der Idee des blinden Studenten Matthias Fuchs und der Neukonzeption im Rahmen einer Diplomarbeit von Jörg Beyer, eine großzügige Spende der Wuppertaler Jackstädt-Stiftung, dessen Gründer, der Industrielle Werner Jackstädt, bis zu seinem Tode im Jahre 2005 beinahe selbst erblindet war.

Beim 'Bücherfuchs' wird das zu digitalisierende Buch mit den Seiten nach oben in einen Vorlagen-Einschub eingelegt. Um die Seiten besser scannen zu können, wird der Dickenunterschied des Buches mit einer eingebauten Buchwippe ausgeglichen und das Buch an eine Glasplatte angepresst. Die Buchseiten werden automatisch durch einen Dreh-Saug-Mechanismus einzeln erfasst und umgeblättert. Die Bilderfassung erfolgt mittels zwei handelsüblicher Digitalkameras mit 8 Mio. Pixel, die an einem Portal mit Positioniereinheit (verstellbar in X-, Y-, und Z-Richtung) aufgehängt und komplett über den PC fernsteuerbar sind.

Gesteuert wird der 'Bücherfuchs' über ein Bildschirmbedienmenü mit Statusanzeige, zur Ausrichtung auf verschiedene Buchgroßen wird hierbei eine kleine Livebild-Vorschau der Buchseiten zu Beginn der automatischen Verarbeitung angezeigt. Nach abgeschlossenen Scanvorgang werden die Daten auf einem eingebauten PC abgespeichert und stehen zur Weiterverarbeitung für unterschiedliche Nutzeranforderungen bereit.

Mit dem 'Bücherfuchs' können Bücher oder Zeitschriftenbände in den Formaten bis DIN A3 doppelseitig und mit einer Dicke von bis zu 60mm verarbeitet werden. Die Verarbeitungszeit zum Scannen und Umblättern einer Doppelseite beträgt zwischen 10 und 15 Sekunden, woraus sich bei einem durchschnittlichen Buch von ca. 300 Seiten (150 Blattwendungen) eine Gesamtzeit von ca. 25 bis 40 Minuten pro Buch ergibt. Hinzu kommen noch etwa 5-10 Minuten zum Auf- und Abspannen des Buches sowie ca. 30 Minuten für die Stapelverarbeitung der Texterkennung und Konvertierung der Bilddateien. Je nach Qualitätsanforderung müssen die Bilddateien mit entsprechenden Bildbearbeitungstools vorher manuell nachbearbeitet werden.

Das Forschungsprojekt läuft bis Ende 2007, bis dahin soll das 'Bücherfuchs'-System einem umfangreichen Praxistext in der Wuppertaler Universitätsbibliothek unterzogen werden. Mögliche Störungsquellen sollen bis dahin minimiert werden und verschiedene Benutzer bzw. Kundenanforderungen in die Weiterentwicklung einfließen. Für die endgültige serienreife Weiterentwicklung und den Vertrieb sucht die Universität Wuppertal Partner aus Industrie und Wirtschaft.



Beginn:

01.07.2005


Abschluss:

31.03.2008


Art:

Gefördertes Projekt


Kostenträger:


Dr. Werner Jackstädt-Stiftung



Weitere Informationen


Abstract

'Bücherfuchs' at CeBIT

'Bücherfuchs' is an automatic book scanning system, which enables small libraries and archives to perform the large-scale digitisation of their stock of books and magazines at low cost and to make these available to their users: information is more quickly available and even becomes accessible for the first time to certain user groups, such as the blind and severely visually impaired. Public access to full text collections leads to a better study environment, a more effective transfer of knowledge and equal opportunities for participation in our information society.

Small and medium-sized facilities don't usually have the necessary financial resources and staff to purchase and operate an expensive manual book scanning system or even a high-performance digitisation system. This is where 'Bücherfuchs' comes in: The automatic book scanning system was realised with a minimum of equipment technology, and manufacturing and operating expenses, and a maximum of functionality and process security, offering the same level of services as conventional manual book scanning systems at a sensational price (< Euro 25,000).

The developer team has thus pinned its hopes on the emerging mass digitalisation movement and the corresponding amendments that will need to be made to the Copyright Law, which in turn will lead to a dramatic rise in demand for low-cost automatic book scanning systems.

'Bücherfuchs' was developed within the scope of a research project by Graduate Engineer Jörg Beyer's development team, under the direction of Professor Dr.-Ing. Jürgen Schlingensiepen, from the Mechanical Engineering Department of the University of Wuppertal and the specialist field of production technology and product quality. The development resulted from an idea conceived by the blind student Matthias Fuchs and revised during Jörg Beyers`s diploma thesis. It was facilitated by a generous donation by the Wuppertal-based Jackstädt foundation, whose founder, the industrialist Werner Jackstädt, almost turned blind himself before his death in 2005.

With the scanning system 'Bücherfuchs', the book to be digitised is placed face up in the document feeder. Differences in book thickness are balanced out by an in-built book cradle and the book is then pressed against a glass plate, so that the pages can be scanned better. The individual pages are automatically seized and turned by a rotating suction mechanism. The image is captured via two customary 8-million pixel digital cameras and attached to a portal, using a positioning unit (adjustable in x, y and z directions). The whole process is completely remote-controlled from the PC.

'Bücherfuchs' is controlled via a display screen operating menu with a status display, enabling adjustments to be made to different book sizes. A live preview of the book's pages is displayed at the start of automatic processing. After the scanning process has been completed, the data is saved onto an in-built computer and is available for further processing to meet different user requirements.

'Bücherfuchs' allows books or bound magazine volumes up to DIN formats A3, double-paged and with a maximum thickness of 60mm to be processed. The processing time for scanning and turning a double page is about 10 to 15 seconds, which amounts to approximately 25 to 40 minutes per book for an average book size of around 300 pages (150 page turns). Another 5-10 minutes must be added for straightening and clamping the book as well as around 30 minutes for the bulk OCR processing and the conversion of image files. Depending on the different quality requirements, the image files will need to be manually post-processed by the appropriated image processing tools.

The research project will run until the end of 2007, by which time the 'Bücherfuchs' system is expected to have been thoroughly tested in practise at the Wuppertal University library. Possible sources of disruption are to be minimised by then and various user and customer requirements will be integrated in its further development. The University of Wuppertal is currently seeking industrial and commercial partners to prepare it for series-production and sale. ('Bücherfuchs', in Hall 9, Stand C16)


Referenznummer:

R/FO3613


Informationsstand: 15.10.2018