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Angaben zum Forschungsprojekt

Effektivität des Gesundheitstrainingsprogramms der Deutschen Rentenversicherung Bund

Ziel des Projektes war die Evaluation des Gesundheitstrainingsprogramms (BfA, 2005) am Beispiel des Curriculum Rückenschule. Rückenschulen sind ein Kernelement der Rehabilitation muskuloskelettaler Erkrankungen. Metaanalysen zu deren Wirksamkeit bei unspezifischen Rückenschmerzen berichten kleine bis mittlere Effekte bzw. moderate Evidenz. Aufgrund methodischer Aspekte besteht kein gesicherter Kenntnisstand; es wird eine konzeptuelle Verbesserung und systematische Evaluation empfohlen (Heymans et al. 2004; Maier-Riehle & Härter 2001).

Im Projekt erfolgte eine interdisziplinäre Weiterentwicklung des Curriculum Rückenschule nach wissenschaftlicher Evidenz und Qualitätsstandards für Schulungen. In der Folge wurde dessen Effektivität geprüft. Die Hauptfragestellung betraf die kurz- und mittelfristige Wirksamkeit des Curriculum im Vergleich zu einer Kontrollbedingung (usual care).

Für die summative Evaluation wurde ein unizentrisches, randomisiertes Kontrollgruppendesign (RCT) mit vier Messzeitpunkten gewählt. 397 Probanden wurden konsekutiv rekrutiert und nach externer Randomisierung der Interventions- und Kontrollgruppe zugewiesen. In der Kooperationsklinik wurde die Patientenschulung nicht auf der Grundlage des Gesundheitstrainingsprogramms durchgeführt; diese Standardschulung mit vergleichbarem Umfang (usual care) stellt die Kontrollbedingung dar. Patientendaten zur Überprüfung der Wirksamkeit wurden zu Rehabilitationsbeginn und -ende sowie 6 und 12 Monate nach der Rehabilitation erfasst.

Primäres Zielkriterium des Behandlungserfolgs ist das Krankheits- und Behandlungswissen. Sekundäre Zielkriterien sind folgende patientenseitige Variablen:
- gesundheitsbezogenes Verhalten (körperliche Aktivität, rückenbewusstes Verhalten)
- Schmerz/ Schmerzbewältigung
- Funktionsfähigkeit
- Subjektive Gesundheit/ Lebensqualität
- Motivation zur Verhaltensänderung (körperliche Aktivität, rückenbewusstes Verhalten)
- Schulungs- und Rehabilitationszufriedenheit.

Die Hypothesenprüfung der Hauptfragestellung erfolgte durch den Intergruppenvergleich zu den Post-Messzeitpunkten mittels Kovarianzanalyse unter Kontrolle bedeutsamer Baseline-Unterschiede (Vickers 2005).

Ergebnisse
In einem mehrstufigen Prozess wurde das Curriculum Rückenschule mit Bezug zu aktueller Forschungsevidenz bei Rückenschmerz, Theorien des Gesundheits- und Krankheitsverhaltens (HAPA, FABQ), Qualitätskriterien für Schulungen, Leitlinien sowie klinischer und sportwissenschaftlicher Expertise überarbeitet und ein Schulungsmanual mit sieben Modulen erstellt. Bei Implementierung des Curriculums wurde eine formative Evaluation (Bewertung durch Trainer, Patienten, Beobachter) bei vier Schulungsgruppen durchgeführt. Alle Module erwiesen sich als standardisiert durchführbar. Die Patienten (n = 45) wurden hinsichtlich der inhaltlichen Konzeption, Trainerkompetenz und Gruppenparameter befragt (1 = sehr gut; 6 = ungenügend). Die durchschnittliche Gesamtbewertung der Module ist im guten bis sehr guten Bereich. Dies trifft in der Folge auch auf die Gesamtbewertung der Schulung zu (M = 1,71; SD = 0,36).
In der summativen Evaluation konnte die kurz-, mittel- und langfristige Effektivität in Bezug auf den primären Ergebnisparameter Krankheits- und Behandlungswissen nachgewiesen werden. Das neue Curriculum ist der nicht-standardisierten Schulung bei etwa gleicher quantitativer Schulungsintensität hierin überlegen.
Eine Wirksamkeit des Curriculums in Bezug auf den Schulungserfolg kann kurzfristig auch für Angstvermeidungskognitionen und einige motivationale und volitionale Verhaltensdeterminanten für körperliche Aktivität nachgewiesen werden. Teilnehmer der Interventionsgruppe haben günstigere schmerzbezogene Kognitionen in Bezug auf die subjektive Arbeitsprognose sowie die Ausführung körperlicher Aktivität. Hinsichtlich der Verhaltensdeterminanten bestehen höhere positive und geringere negative Handlungsergebniserwartungen sowie eine höhere Handlungs- und Bewältigungsplanung. Mittelfristig und langfristig zeigen sich Effeke in den schulungsfernen Zielparametern auf Verhaltensebene. Es besteht eine stärkere Umsetzung von rückenbezogenem Verhalten und Rückenübungen im Alltag. Hinsichtlich der körperlichen Gesamtaktivität kann für Männer zum Zeitpunkt sechs Monate nach der Rehabilitation eine Überlegenheit des Curriculums belegt werden. In der Schmerzbewältigung zeigen sich mittelfristig Interventionseffekte zugunsten der IG für alle Bewältigungsformen. Langfristig bestehen kognitiv höhere Handlungsplanungskompetenzen und höheres Kompetenzerleben, behavioral mehr gegensteuernde Aktivitäten sowie Ruhe- und Entspannungstechniken, aber keine Unterschiede in kognitiver Umstrukturierung und mentaler Ablenkung.
Eine Effektivität des Curriculums in Bezug auf die distalen Erfolgskriterien (Rehabilitationserfolg) kann meist nicht belegt werden. Beide Studiengruppen erzielen in den distalen Zielparametern auf Gesundheitsebene, d. h. Schmerzstärke, Funktionsfähigkeit und subjektive Gesundheit, mittel- und langfristig vergleichbare Verbesserungen. Sechs Monate nach der Rehabilitation berichten Teilnehmer der IG jedoch eine signifikant bessere körperliche Gesundheit.
Positive Effekte können auch in Bezug auf die Schulungszufriedenheit gezeigt werden. Das neue Curriculum wird hinsichtlich der vermittelten Schulungsinhalte, Gruppen- und Interaktionsaspekte sowie Schulungsmaterialien besser bewertet als die klinikeigene Rückenschulung.



Beginn:

01.06.2007


Abschluss:

30.09.2009


Art:

Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Deutsche Rentenversicherung Bund



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO3700


Informationsstand: 05.02.2020