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Angaben zum Forschungsprojekt

Externe Evaluation des Modellversuchs 'Hand-Werk-Lernen': Einschätzungen nachschulischer Akteure

Inhalte:

Junge Menschen mit besonderen Bedürfnissen erleben die Schwellenproblematik des Übergangs von der Schule in den Beruf als Verdrängung von den Startplätzen ins Erwerbsleben. Im Jahr 2000 initiierte das Bundesministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung den Modellversuch 'Hand-Werk-Lernen' an sechs Förderschulen Schwerpunkt Lernen für einen Zeitraum von fünf Jahren. Durch das Modellprojekt soll eine stärkere Verzahnung zwischen Schule und Arbeitswelt erreicht werden, um eine verbesserte Integration der Jugendlichen ins Arbeitsleben zu ermöglichen.
Der Modellversuch will bereits in der Schule berufsrelevante Kompetenzen durch authentische Vertreter der Arbeitswelt aus den Bereichen Handwerk und Dienstleistung in arbeitsweltnahen Settings fördern. Ab Klasse 7 werden diese Settings in Form von Projekten, praktischen Lernsituationen und wöchentlichen Praxistagen in Werkstätten und Schülerfirmen von Lehrern und Praktikern gestaltet.
Weiterhin sollen die Praktiker als Teil des Teams 'Berufsorientierung und -vorbereitung' mit ihrer spezifischen Kommunikationskompetenz die Einrichtung von Netzwerken zwischen Schulen, Innungen, Kammern und Betrieben erleichtern und zu einer Erweiterung der Kenntnisse und Einstellungen bei Arbeitgebern bezüglich der SchülerInnen mit Lernbehinderung beitragen. Die Wirkung dieses Modellversuchs auf die arbeitsrelevanten Kompetenzen der Jugendlichen wird in der nachschulischen Phase extern evaluiert.

Forschungsdesign:

Es werden Jugendliche (N=592) von 12 Förderschulen Schwerpunkt Lernen in Köln untersucht. An 6 Schulen wurde das Modellprojekt durchgeführt (Experimentalgruppe), d. h. dort unterrichteten neben den üblichen Lehrkräften auch PraktikerInnen nach dem Konzept 'Hand-Werk-Lernen'. Die anderen 6 Schulen dienten als Vergleichsgruppe. Um Störeffekte durch sozioökonomische Unterschiede, die mit dem Wohnort korrelieren, zu verhindern, sind jeweils 3 der 6 Schulen in Experimental- und Vergleichsgruppe rechtsrheinisch und die anderen 3 Schulen linksrheinisch in Köln angesiedelt.
Es werden zwischen Experimental- und Vergleichsgruppe die beruflichen Werdegänge über einen Zeitraum von zwei Jahren und die arbeitsweltrelevanten Kompetenzen der Jugendlichen aus Sicht der nachschulischen Akteure in der nachschulischen Phase verglichen.
Die nachschulischen Werdegänge der Jungendlichen werden über eine Verbleibstatistik erfasst. Hinsichtlich der beruflichen Werdegänge wird zwischen gelungenen, d. h. arbeitsweltnahen, und nicht gelungenen, d. h. arbeitsweltfernen (sog. Maßnahmekarrieren) , unterschieden. Gelungene Übergänge sind als betriebliche Ausbildung, sofortige Arbeitsaufnahme oder Teilnahme an einer Berufsvorbereitenden Maßnahme mit hohem Anteil an Arbeitstätigkeit (mind. zwei Praxistage im Betrieb pro Woche) operationalisiert. Als nicht gelungener Übergang gelten Berufsvorbereitende Maßnahmen mit geringem Anteil an Arbeitstätigkeit, Werkstatt für behinderte Menschen oder keine Maßnahme. In Anlehnung an den Kompetenzbegriff, Kompetenz als situationsbezogene Relation zwischen Umwelt und Person zu verstehen, werden die arbeitsweltrelevanten Kompetenzen in der nachschulischen Phase aus der Sicht von betrieblichen Akteuren und pädagogischen Fachkräften erhoben, die die Jugendlichen situationsbezogen am Arbeitsplatz erleben.

Empirisches Verfahren:
Die arbeitsweltrelevanten Kompetenzen werden mit 'Diagnostische Kriterien zur Feststellung des individuellen Förderbedarfs und zur Steuerung von Maßnahmen, Version 2.0 2002' (DIK 2.0) erhoben. DIK 2.0 ist ein Katalog von Beschreibungen berufsbezogener Merkmale, stellt aber keinen psychologischen Test dar. Vorteilhaft im Sinne des Forschungsdesigns ist, dass DIK 2.0 im Feld, d. h. als Fremdeinschätzung der Jugendlichen durch nachschulische Akteure, durchgeführt werden kann. Das Instrument erleichtert die Handhabung im Feld, da jede Merkmalsausprägung eines Items präzise beschrieben ist. Die Interviewpartner können genau nachvollziehen, was jede Merkmalsausprägung bedeutet. Dadurch ist eine hohe Objektivität und Reliabilität gesichert.
Das Instrument bietet zudem eine umfängliche Merkmalsauswahl. Die Merkmale können flexibel auf den Untersuchungsgegenstand abgestimmt werden. In dieser Untersuchung ist ein Teil des DIK 2.0 - und zwar der Bereich der beruflichen Handlungskompetenz - zum Einsatz gekommen.
Das Verfahren hat eine hohe Konstruktvalidität. Das Konstrukt berufliche Handlungskompetenz wird umfassend erhoben. Es beschränkt sich nicht auf wenige Bedeutungsaspekte. Sowohl Fachkompetenz als auch Methodenkompetenz, Sozialkompetenz und Personal(Selbst)kompetenz werden erfasst.
Weiterhin ist DIK 2.0 auch für Menschen aus Förderschulen Schwerpunkt Lernen konzipiert, womit Bodeneffekte verhindert werden. Ein Interview mit einem betrieblichen Akteur dauert ca. eine halbe Stunde.

Zwischenergebnisse:
Mit den bisherigen Ergebnissen kann insgesamt nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass der Übergang ins Arbeitsleben bei Jugendlichen aus Förderschulen Schwerpunkt Lernen mit dem Modellversuch 'Hand-Werk-Lernen' besser gelingt als bei Jugendlichen aus Schulen ohne Modellversuch. Allerdings kann gezeigt werden, dass der Unterschied zwischen Jugendlichen des Modellprojektes und aus Schulen ohne HWL in der postulierten Richtung liegt. Weiterhin wird deutlich, dass Jungen des Modellprojektes im Vergleich zu Jungen aus Schulen ohne Modellversuch statistisch signifikant vom HWL-Projekt profitieren. Bei Mädchen zeigt sich ein heterogenes Bild.



Beginn:

01.01.2005


Abschluss:

30.06.2007


Art:

Gefördertes Projekt / Studie


Kostenträger:


Stiftung der Energiewirtschaft (GEW) Köln



Weitere Informationen


Abstract

External Evaluation of the Pilot Scheme 'Hand-Werk-Lernen' ('Learning Trade'): Post-School Actors´ Rating

The pilot scheme 'Hand-Werk-Lernen' ('Learning Trade') in the federal state of north Rhine-Westfalia aims to facilitade the transition into the labour market for pupils from schools focussed on the special needs of slow learners, by means of incorporating practical instructors into a school scenario. The research project evaluates the effects of the school project concerning the work related competencies of the youngsters in the post-school-phase. Data from school-leaving years 2003/2004 and 2004/2005 is being collected from 6 schools participating in the pilot scheme (experimental group) and 6 schools without a model project (control group). Over a two year period, both the pupils´ development and the company-based assessment of their work-related abilities will be compared.
Funded by: GEW-Foundation Cologne Project duration: 2005-01-01 - 2006-12-31 Projectteam: Prof. Dr. Dr. Mathilde Niehaus, Marianne Middendorf (Teacher Special Education), Anka Hauser ( cand. psych.), Sebastian Dreja (cand. psych.), Anna Pilot-Schäfer (cand. psych.)
Telephone: 0049 221-4704954
Contact: E-Mail: arbeit-reha@uni-koeln.de
Homepage: http://hrf.uni-koeln.de/de/arbeitreha/content/492.htm


Referenznummer:

R/FO3298


Informationsstand: 04.12.2019